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Kur- und Touristik-Info
Quellenstraße 2
63667 Nidda Bad Salzhausen

Dr. med. B.S. Liebich, Badearzt a.D.

Liebich Folge 10: Leben gefährdet ihre Gesundheit. Wie Sie als bildungsnahe Kurstädter natürlich wissen, liegt die etymologische Wiege des Begriffes „Kur“ im Lateinischen und leitet sich vom Wort „cura“ ab, was so viel wie Fürsorge bedeutet und für mich stets die Basis meiner beruflichen Tätigkeit darstellte.

Völlig neu habe ich diesen Begriff wahrgenommen, als ich 1975 erstmals Vater wurde. Mit dem Tag der Verkündigung neuen Lebens, stattet die Natur uns Menschen mit einem derart ausgeprägten Beschützerinstinkt aus, der mitunter herrliche Stilblüten treibt. Zum Beispiel wenn junge Eltern heutzutage ausschließlich hyperallergene, gluten- und laktosefreie Folgemilchprodukte kaufen, das komplette Babygeschirr stets dreifach abkochen oder dem Winzling auch bei 25 Grad ein Wollmützchen über die Ohren ziehen. Interessanterweise endet diese elterliche Fürsorge aber nicht im Kindergartenalter oder mit der Einschulung sondern dauert an, was Kinder ab dem Pubertätsalter einfach nur nervt und auf völlige Verständnislosigkeit trifft. Bis zu dem Tag, an dem sie selbst Eltern werden. So schließt sich der fürsorgliche Kreis. Ein wenig kniffeliger wird es, wenn sich andere, außenstehende Menschen oder Institutionen als Beschützer aufdrängen. Ich meine hier nicht von den wohldosierten Werbebotschaften eines gesundheitsorientierten Kurortes. Nein, ich rede von richtig hartem Geschütz, wie zum Beispiel Schockbildern auf Zigarettenpackungen, mit denen uns unser Gesundheitsminister vor den Schäden des Rauchens bewahren möchte. Auch er meint es im Grunde seines Herzen nur fürsorglich und diese Kampagne zeigt ja zumindest ansatzweise Wirkung, was die stagnierenden Zahlen der Tabakindustrie belegen. Auch bei meiner Enkelin funktioniert diese drastische Anti-Werbung, denn unlängst sagte sie beim Warten an einer Supermarktschlage zu ihrer Mutter einen Satz, den alle fürsorglichen Eltern und Großeltern von ihren Sprösslingen hören möchten „Mama, ich will nie so ein ekliger Raucher sein.“ Braves Kind. Wobei, so ein ganz klein wenig tun mir die Raucher derzeit schon leid, denn die Jagd auf sie mit all den Horrorbildern ist alles andere als konsequent. In Deutschland werden nämlich auch große Summen zur Behandlung anderer Süchtiger, z.B. Alkoholkranken, ausgegeben und dennoch fehlt auf der Flasche Eierlikör, dem Kasten Pils und dem Tetrapack Partylikör jegliches abschreckende Foto. Jetzt werden sie womöglich sagen, dass dieser Vergleich hinkt, weil es ja kein Passivtrinken gibt. Das stimmt, dafür wage ich mal die These, dass Alkoholiker auf andere Art ihrer Umwelt mehr Schaden zufügen können, mitunter ganze Familien zerstören. Das hört man von Rauchern eher selten. Apropos hinken, vor einigen Wochen wohnte ich im kleinen Saal des Bürgerhauses in Nidda einem Arztvortrag über Diabetes bei. Ich sage Ihnen, was ich da an Schockbilder gesehen habe, passt zwar auf keine Kuhhaut, aber auf jede Toffifee-,  Schaumkuss-,  Butterkeks- oder Lebkuchenpackung. Die wirkungsvollsten Warnbilder stehen für mich aber immer noch an den Autobahnen. Womöglich kennen sie ja folgendes Motiv: Eine fröhliche, sich unterhaltende Truppe junger Frauen in einem Auto, darunter der Spruch: „Eine ist abgelenkt, vier sterben“. Jedes Mal, wenn ich an diesem Schild vorbeifahre, zücke ich mein Mobiltelefon, rufe bei meiner Tochter an und verbiete meiner ältesten Enkelin am Wochenende den Ausgang. Völlig egal, dass sie erst 14 ist und keine ihrer Freundin auch nur annähernd einen Führerschein besitzt. Man kann als Eltern oder Großeltern nie früh genug anfangen, vor dem Leben zu warnen.

Es grüßt Sie fürsorglich ihr B.S. Liebich

 
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