Dr. med. B.S. Liebich,  Badearzt a.D. berichtet:

´N guudes Neus

Liebe Bad Salzhausener, lieber Bad Salzhauserinnen, in der letzten dieses Ausgabe Blattes durfte ich mich Ihnen schon als neu zugezogener, pensionierter Badearzt vorstellen. Wie im Dezember angekündigt, habe ich mich zwischen den Jahren und um den Jahreswechsel herum auf den Weg gemacht und mittels unangemeldeter Hausbesuche Kontakt zu Ihnen aufgenommen. Quasi als erste, auferlegte Integrationsmaßnahme. Leider habe ich dabei viele von Ihnen nicht persönlich angetroffen oder störte schlichtweg beim Skispringen- oder Traumschiff-Schauen, wie mir der eine oder andere Blick durchs Wohnzimmerfenster verriet. Erst als ich mich unbemerkt als vierter Heiliger König einer jungen Sternsingertruppe anschloss, öffneten Sie mir sowohl Türen als auch Herzen und ich bekam einen ersten Eindruck davon, wie man in Bad Salzhausen, dem kleinsten Kurort Hessens, so lebt. Am Ende des Tages lud ich die Sternsingerkinder samt deren Eltern – die sie per Handy über den netten vierten König informiert hatten – im Café Ira auf einen Kakao ein. In geselliger Runde tauchte ich zum ersten Mal so richtig ein in das echte, mittelhessische Leben, vor allem, was die Sprache anging. Bis dahin hatte sich mir – als hochdeutsch aufgewachsener Akademiker – der hiesige Dialekt noch so gar nicht erschlossen, nun aber bekomme ich langsam eine zarte Vorstellung davon, wie viel Wetterauer Integrationsweg noch vor mir liegt. Gelernt habe ich aber schon, dass das von mir durchaus noch rege benutze Wort „fortwährend“ hier bei Ihnen durch das Konstrukt „als un als“ ersetzt wird. So erklärte man  mir, dass ich zum Bad Salzhausener Hauptbahnhof „als un als“ dem Weg am Parksaal vorbei folgen müsse. Auch der im Hochdeutschen bewährte Ausruf des Erstaunens  „Menschenskinder“ ist hier einem kompakten „Kerlekerlekerle“ gewichen und „ein gesegnetes neues Jahr“ heißt hier „`n guudes Neus“. Nun ja, ganz offensichtlich geizt der Mittelhesse an Silben, wo es geht. Eine solche Sparsamkeit kenne ich sonst von meiner Krankenkasse, wenn es um Leistungen geht. Was allerdings die von einem der Sternsinger nach dem zweiten Kakao besungene „Runkelreuweroppmaschin“ sein soll, ist mir noch ein völliges Rätsel. Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, mich im Kreise der netten Sternsinger auch über das hiesige soziokulturelle Programm zu informieren. Besonders hellhörig wurde ich – berufsbedingt – als ich von den vielen Arztvorträgen hier im Ort erfuhr und habe mir für die nächsten Wochen vorgenommen, einige dieser Vorträge… selbst zu halten. Sicher kann ein Ort wie Bad Salzhausen eine zusätzliche Badearztkoryphäe in seinen Rednerreihen noch gut gebrauchen. Ich könnte beispielsweise ad hoc zu folgenden Themen referieren: „Fußpilz durch emotionalen Stress in engen Hallenbadumkleidekabinen“, „Richtig baden gehen. Alternativmedizinische Ansätze für Insolvenzverwalter“ oder  „Miles and Moor- Entspannungspackungen für gestresste Vielflieger.“ Auch übrigens, wenn ich mich zu Beginn als „Zugezogener“ bezeichnete, so sehe ich mich nach den ersten vier Wochen hier in Bad Salzhausen nun durchaus schon ein wenig als  „Ingeplackte“.

Es grüßt Sie herzlich ihr Badearzt a.D. B.S. Liebich.