med. B.S. Liebich, Badearzt a.D.

Unter Tage

Liebe Kurstädterinnen und Kurstädter,

womöglich geht es Ihnen ja ähnlich, ich jedenfalls liebe diese TV-Sendungen, bei denen man hinter die Kulissen von Zoologischen Gärten, Kreuzfahrtschiffen oder gastronomischen Betrieben schauen kann. Dementsprechend erfreut war ich, als ich unlängst an einer Spezialführung durch das hiesige Solebad teilnehmen durfte. Korrekterweise verlief die aber nicht hinter, sondern unter den Kulissen der Therme. Zu Beginn wies der uns führende Mitarbeiter des Betriebs freundlich darauf hin, dass er diese Tour durch die hochtemperierten, engen und vor allem niedrigen Solebad-Katakomben nur denjenigen empfehle, die gut bei Fuß, Hüfte und auch Luft seien. Ich schloss mich der Truppe trotzdem an und bereute es anschließend auch nur wenige Tage, bis ich wieder einigermaßen würdevoll aufrecht gehen konnte. Dafür bin ich jedoch unmittelbar unter dem großen Innenbecken entlanggekrochen, während über mir gerade die Koransportgruppe Ulfa-West entspannt und nichtsahnend durchs Wasser treibt. Entschuldigung, es muss natürlich heißen: „Koronarsportgruppe“. So robbten wir also vorbei an zahllosen Rohrleitungen, Pumpen, Filtern und allerlei anderem mechanischem und technischen Schnickschnack. Wir bekamen u.a. detailgenau erklärt, wie das Wasser aus zwei heimischen Quellen zunächst in einen Hochbehälter gepumpt wird, um von dort aus bedarfsgerecht angezapft zu werden, ehe es – mehrfach gefiltert und mit der richtigen Dosis Chlorgas angereichert – wohltemperiert in den Becken landet. Alles hochtechnisiert gesteuert und nahezu pannenfrei, wie uns der nette Thermenmitarbeiter berichtete. Während der Rest der Gruppe dann noch einen Abstecher zur Wärmezuleitung machte, verweilte ich aus Konditionsgründen an der Steuerungszentrale und blickte in hohem Maße fasziniert auf die vielen leuchtenden Kontrollbildschirme. Etwas später kehrten wir wieder ans Tageslicht zurück und alle gingen gebeugt, geschwitzt, aber glücklich nach Hause. Als ich am folgenden Morgen das Bad dann aber wieder ganz regulär nutzen wollte – als Teil der hiesigen Hüftsportgruppe – stand ich unerwartet vor verschlossenen Türen. Angeblich hätte sich im Außenbecken eine dicke Eisschicht gebildet und die Innenbecken wären zur Hälfte befüllt mit einer kochenden, roten Salzessenz. Irgendjemand müsse am Nachmittag zuvor – in etwa zur Zeit der Gäste-Führung-  die computergesteuerte Temperaturregelung durcheinander gebracht haben. Klarer Fall, das waren bestimmt die hypermodernen Handys der jungen Rundgangteilnehmer. Immerhin hatte eine der Damen sogar lilafarbene Haare. Das sagt ja schon alles. Ich jedenfalls war nur wirklich ganz kurz an die Computermaus gestoßen und hatte dann alles gleich wieder auf null gestellt. Jedenfalls so in etwa. Sei´s drum, nun ist alles wieder in Salzbutter.
Es grüßt Sie herzlich, ihr Computerspezialist B.S. Liebich.